"Such was the practice of Jews throughout history. They retold, reenacted, analyzed and studied the story of the Exodus, always finding new meaning in it." (Cf. The Family Seder. New York 1991/2007, p. 20.)
Bei Revach habe ich diesen schönen Gedanken gefunden, den ich mit dir teilen möchte: Die Haggadah nennt die vier Söhne echad chochom echad rasha echad tam echad she'eino yodei'a lishol - Raw Menashe Klein fragt, ob sie nicht eigentlich sagen sollte: der erste, der zweite, der dritte, der vierte, anstatt für jeden einzelnen der eine?! Seine Antwort: der Baal Haggadah will uns eine wichtige Lehre erteilen - jeder Mensch hat eine Neshamah, die von Hakadosh Baruch Hu stammt, ja, jeder Mensch kommt selbst direkt von Hashem Jisborach, der echod ist. Und gleichsam sind alle Menschen besonders; und doch gibt es keinen ersten, keinen zweiten, keinen dritten, keinen vierten, ganz gleich wer sie sind oder wie sie aussehen - alle müssen behandelt werden, als seien sie - sprichwörtlich - die Nummer Eins.
kol chamira vachami'a ... - Wenn du willst: wir können Pesach auch als eine Zeit (szeman, season) sehen (lirot et-azmo ..., wie es später in der Hagadah heisst), in welcher der (jüdische) Mensch sich gleichsam symbolisch und wirklich zu befreien vermag von dem ganz eigenen Gesäuerten oder dem Sauren in sich selbst; eine et-razon, saure Sprache, die sich in loshon hora auslebt, bitter-falsches Denken, das hochmütig vom Guten und Wahren der Torah weg-leitet, gesäuerte Gedanken und schlechte Taten zu überwinden und sich ihrer zu entledigen. Und wir können - vielleicht ganz am Anfang - fragen: was versklavt uns eigentlich heute und wie kann es uns gelingen, uns davon frei-zumachen?! Ich habe gefunden: "We are told that the 'chometz' (...) which we abstain from on Pessach is compared to the yetzer ha-ra (...). Just as leavened bread 'puffs up' when baked, so too, the yetzer ha-ra paints a 'puffed up' picture of the pleasure we will receive by transgressing, thereby deluding us into pursuing our desires. As we rid our homes of all traces of chometz, we can also root out the leaven in our hearts, renewing our commitment to Hashem and elevating ourselves (...)." (From the Pesach Greetings of the Feldheim Publisher's Internet Staff, April 4, 2004.) - Rabbi Ira F. Stone erklärt (Reading Levinas/Reading Talmud. Philadelphia 1998, p. 75): "We are searching [during bedikat chamez] for pride, envy, and unconcern for others, coupled with an arrogant dismissal of God's justice", und er ergänzt weiter (cf. p. 79): "leaven is a symbol of the proclivity of human beings to act against one another." (Siehe dazu auch meine Versuche zum Possuk Mishlei 21:13.)
kadesh ... jachaz ... - Warum werden vier (dalet) Becher Wein getrunken und nicht drei (wie es auch drei Mazzos gibt)?! Warum eine gerade Zahl und keine ungerade?! Oder: warum drei Mazzos und (jedoch) vier kossos jajin?! Und: warum drei Mazzos und nicht zwei oder vier, und warum eine ungerade Zahl und eben keine gerade?! - Rabbi Alfred J. Kolatch gibt in seiner Hagadah "The Family Seder" (New York 1991/2007, p. 1) eine mögliche Antwort: "At the regular Sabbath and festival meals only two loaves of bread (...) are used over which the blessing is recited. In order to distinguish the Passover festival, instead of using just two matzos (as substitutes for the leavened bread which is prohibited on Passover), a third is used to mark the joyous nature of the occasion. Some scholars have interpreted the use of three matzos as representing the whole Jewish community: priests, levites and Israelites." (Ich fand die erste Erklärung auf den ersten Blick nicht ganz schlüssig, da du fragen könntest, warum beispielsweise gerade an Rosh Hashanah nicht auch mehr als zwei Challot für den Kiddush verwendet werden, um ihn von dem Shabbos-Kiddush abzugrenzen (warum eigentlich?!) und um das freudige Moment zu kennzeichnen; andersherum aber kannst du auch sagen: an Rosh Hashanah gibt es den Minhag, ganz bestimmte runde, vogel- oder auch leiterförmige Challot zu benutzen, die den ganz besonderen und eigenen Charakter dieses jontew in diesen schönen Formen hervorheben?!)
al-achilat mazzah - Welche berachah sagen wir, wenn wir Mazzo ausserhalb der zwei Seder-Feiern während der acht Pesach-Tage selbst essen: hamozi oder al-achilat mazzah, oder beide zusammen hintereinander, und dann in welcher Reihe?! Und gibt es - diesbetreff - Unterschiede zwischen den jomim towim und den Tagen chol hamo'ed?! - szeman cheruteinu und mizvah mazzah: das konkrete Er-Lebnis von Freiheit und die Einschränkungen an Pesach; die Dialektik von Freiheit und ihrer Begrenzung in der Mazzo-Mizvah?!
Der Possuk schreibt in Dewarim 15:11, in der Parashah für den achten Tag Pessach (Shabbes) chuz la'arez: mum pise'ach o iver - fehlerhaft, lahm oder blind, über die Korbanot (d.i. bechorot), die Hashem nicht gebracht werden sollen; das Adjektiv pise'ach (lahm) steht wie Pesach (in Dewarim 16:1, in der gleichen Parashah) mit peh-samech-chet (Zahlenwert 148) - ich frage mich, ob es eine (und welche) Verbindung zwischen Pesach und pise'ach, Über-Schreitung und Lahm-Heit gibt?!
jachaz - Warum wird eine Mazzo gleich zu Beginn des Seder gebrochen und geteilt, und warum gerade die mittlere?! Ich habe eine Antwort gefunden, die auch eine gute Begründung für die drei Mazzos gibt; Rabbi Eliezer Papo (cf. A Sephardic Haggadah. Ed. Rabbi Marc D. Angel. Hoboken 1988, p. 21) klärt: "The three matsot symbolize three things: the top one symbolizes thought; the middle one (...) speech; and the bottom one (...) action. We take the middle matsah, symbolic of speech, and break it in two. We place half of it between the other two (...) as a hint that one should link his speech to his thought and to his action. One's words should be thoughtful, consistent, and honest. They should lead to proper action. The other half, symbolic of the words of the Torah, is hidden away. This teaches that the wisdom of Torah is attained by the modest." - Laut Rabbi Samson Raphael Hirsch heisst die mittlere Mazzah Levi, die obere Kohen und die untere Jisroel (cf. Hirsch-Haggada (Hagadah Jeshurun). Basel 1996, p. 22).
In Rabbi Alfred J. Kolatchs "Family Seder" (New York 1991/2007, p. 22) habe ich diese schönen Gedanken zur Unvereinbarkeit von Jüdischkeit und trennendem Denken gefunden: "The Shema prayer (...) affirms the traditional Jewish belief in the unity, the oneness, of God to whom undivided loyalty is due. Idolatry, or the multiplicity of gods, by its very nature implies a fragmentation of life, and as such contradicts the notion of One God. The idolatries of today, which include racism, imperialism and totalitarianism are foreign to Judaism, for they express the very antithesis of the Shema idea." - Und zu den esser makot schreibt er (p. 38): "The thought of rejoicing over the suffering of others is alien to Judaism, even where the punishment may be justified." - Rabbi Eliyahu Benamozegh lehrt dazu (cf. A Sephardic Haggadah. Ibid., p. 42): "A bit of wine is spilled at the mention of each of the plagues, as a reminder that we ought not rejoice at the suffering of others - even if they are our enemies. Although the Egyptians enslaved and persecuted the Israelites for centuries, the Torah teaches us not to harbor eternal hatred against the Egyptians." Und es gibt noch so viele weitere schöne Auslegungen dazu ...
ha lachma anja - Warum steht das ha lachma in Aramäisch; er hätte es doch auch in Iwrit übersetzen können?! kol dichfin - Wenn du willst: es richtet sich an alle Menschen; der Ruf, wer hungrig ist, komme und esse; wer bedürftig ist, komme und feiere Pesach mit uns, schliesst unterschiedslos Juden wie Nicht-Juden ein?! Der "Family Seder" schreibt schön (p. 15): "To all who are in need we (...) say: We know your suffering, and we are anxious to help you in your need. To all who are hungry we say: Come and join us in our abundance. Let it be known to all men that, because of our history, we understand the plight of the poor; we know what it is to suffer." (Ebenso bemerkenswert scheint mir nebenbei, dass der berühmte Possuk bechol-dor vador chajaw adam lirot et-azmo ke'ilu hu jaza mimizraim (in der Hagada gleich nach dem Abschnitt Pesach-Mazzah-Maror) wörtlich sagt: ist Mensch verpflichtet - er hätte ja auch sagen können, jeder Jehudi müsse sich so sehen?!)
Komm und schau: Eigentlich wäre es doch in gewisser Weise ein Leichtes, anderes Brot für Pesach aus Mehl zu backen, das nicht säuert?! Aber Hakadosh baruch hu hat uns gerade die Mizvah gegeben, sie aus potenziell säuerndem Getreide zu gewinnen und nicht aus jenem ungefährlichen; wir können also nicht von vornherein einen Zaun darum bauen, der uns schützt. "Mazzah is the antithesis of hamez" (cf. JPS Popular Judaica Library - Passover. Philadelphia 1973, p. 49) - und doch steckt in ihr selbst, in ihren materiellen und rohen und einfachen Zutaten - Weizenmehl und Wasser - schon der Keim des Sauren, die Möglichkeit, dass der Teig in einer sauren Blase aufgeht und chamez wird; so müssen aber dann wir Menschen achtgeben, dass er sich nicht entfaltet - wie eigentlich in unserem Leben als Juden und Menschen selbst - und dieses Vermeiden und Achtgeben ist somit eine elementare und wichtige Pesach-Aufgabe. Rabbi Menachem Mendel von Kotzk, der Kotzker Rebbe, schreibt: "Since the Torah was so concerned about our putting distance between ourselves and chametz (...), would it not had been preferable to competely forbid the eating of grain products on Pesach, including matzah? Why then, are we instructed to eat matzah? The answer is that it is not much of an accomplishment to swear off eating. The feat is to eat and avoid the forbidden (Siach Sarfei Kodesh I 387)." (Cf. The Haggadah of the Chassidic Masters. Brooklyn 2000, p. 206sq.)
"Der Maggid von Kosnitz sprach: 'An jedem Tag soll der Mensch aus Ägypten gehn.'" (Cf. Martin Buber: Die Erzählungen der Chassidim. Zürich 1987, p. 444.)
Ich habe bei Rabbi Samson Raphael Hirsch diese schönen und in ihrer Sprache eigentümlichen Gedanken zu den Arba Kosot gefunden: "Wie überall, wo ein von Gott gefügtes und geordnetes Lebensverhältnis in Wort ausgesprochen und beherzigt wird, unsere Weisen sinnvoll den Becher hinzugefügt haben, also auch bei Erwägung und Beherzigung dieser Grundlegung aller Jisroelverhältnisse, und zwar hier nach den vier Seiten dieser großen Tatoffenbarung für Jisroel, sie auch in ihrem Zweck erfaßt: 1.) Enthebung vom Druck (vehozeti); 2.) Befreiung vom Sklavenstand (vehizalti); 3.) Gottesannahme aus Hilflosigkeit (vega'alti); 4.) Erwählung zum höchsten Volksberuf (velakachti). 1 und 3 betreffen Körper und Körperverhältnisse, 2 und 4 Geist und geistigen Beruf, 1 und 2 sind Errettung, 3 und 4 vollendende Weihe. 1 und 2 nehmen das Böse, 3 und 4 geben das Gute. 1 und 2 befreien Körper und Geist, 3 und 4 geben Körper und Geist ihre Bestimmung. Sie sind ausgesprochen (Shemot 6:6-7). Sie erschöpfen die Jisroelbedeutung von jeziat mizraim, und zur vollen Erwägung und Beherzigung dieser vier Seiten ist für jede ein kos angeordnet, also daß, wie du den vollen Kelch trinkst, also du auch den vollen Sinn der bezeichneten Gottes-Wohltat nach ihrem Willen in dich aufnehmest." (Cf. Hirsch-Haggada. Basel/Zürich 1996, p. 6sq.) Und im Abschnitt über den Eruw Tawshilin schreibt er: "Bestimmung des jom tow ist's, den Tag zu einem Tag des Guten zu gestalten. Nicht das Schöne, das Angenehme, sondern das sittlich Gute, das Gott das Leben unterstellt, gebe dem Tag das Gepräge. Im Dienste des Guten stehe auch der körperliche Genuß. Für dieses stärke die Nahrung die Kraft. Sie trage hierzu bei, sie werde durch diese Bestimmung geläutert. Herstellung der Speise ist (also) am jom tow nur gestattet, wenn sie diesem Genuß des Tages dient." (Cf. ibid., p. 21)
Zum Zusammenhang von Pessach-Lernen und Zedakah habe ich folgende schöne chassidische Geschichte gefunden: Die Gemara (siehe oben) und der Shulchan Aruch (Orach Chayim 429) sagen, wir sollen dreissig Tage die Pessach-Halachos befragen und diskutieren. Der Rama fügt hinzu: "and it is the custom to buy wheat and distribute it among the poor for their Pesach needs". Die Frage ist: "Why has the Rama chosen to place his comment about buying wheat as an addendum to speaking on the topics of Pesach, even to the point of joining it to the above with an 'and'? The Rama implies to rabbis [and also, certainly, to us] that it is more important for them [and us] to supply the poor with their Pesach needs than to spend time on their Pesach sermons." (Cf. Haggadah of the Chassidic Masters. Brooklyn 2000, p. 204.)
Allen Juden ein bedeutungs- und wundervolles,
koscheres und freudiges Pesach!
חג פסח כשר ושמח








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